Mittwoch, 15. Juni 2011

Helmut Newton, Polaroids

Einst als Ideenskizze zu Licht und Komposition genutzt, wurde „das Pola“ bald zur eigenständigen Ausdrucks- und Kunstform. Auch Helmut Newton, der große Frauen-Fotografierer, nutzte es – zunächst als Hilfs-, bald aber auch als Stilmittel. In Berlin ist jetzt erstmals ein repräsentativer Überblick mit über 300 von Newtons mittlerweile legendären Polaroids zu sehen





Die Helmut Newton Stiftung informiert:

Ab 10. Juni 2011 präsentiert die Helmut Newton Stiftung die Ausstellung 'Helmut Newton Polaroids'.

Foto Helmut Newton: French Vogue, Paris 1981
Anhand von über 300 Photographien wird erstmals ein repräsentativer Überblick von Newtons legendären Polaroids gezeigt. Seit den 1970er Jahren hatte er diese Technik intensiv genutzt, insbesondere während der Shootings für seine Modeaufträge. Dahinter stand, wie Newton es selbst einmal in einem Interview nannte, das ungeduldige Verlangen, sofort wissen zu wollen, wie die Situation als Bild aussieht. Ein Polaroid entspricht in diesem Zusammenhang einer Ideenskizze und dient zugleich der Überprüfung der konkreten Lichtsituation und Bildkomposition.

1992 veröffentlichte Helmut Newton „Pola Woman“, ein ungewöhnliches Buch, das ausschließlich seine Polaroids vorstellte. Die Publikation lag ihm, wie er sagte, „besonders am Herzen“, gleichzeitig wurde sie kontrovers diskutiert. Den Vorwurf, dass die Bilder darin nicht perfekt genug seien, konterte er mit dem Argument: „Doch das war ja gerade das Spannende – die Spontaneität, das Schnelle.“ Das Polaroid-Verfahren selbst hat die Photographie revolutioniert. Wer diese Kamera jemals benutzt hat, wird den Geruch der Entwicklungsemulsion und die Faszination für das Sofortbild nicht vergessen. Beim Polaroid handelt es sich stets um ein Unikat, auch bei den späteren großformatigen Polacolor prints mit den so charakteristischen Entwicklungsrändern ist das der Fall. Polaroids sind deshalb häufig als vorbereitende Studien undals eigenständiges Medium verwendet worden. Das begann bereits kurze Zeit nach der Präsentation der Sofortbildphotographie vor der „Optical Society of America“ 1947 durch ihren Erfinder Edwin Land – und vor allem, nachdem dieser 1972 das legendäre SX-70-System, eine zusammenklappbare, simple und preiswerte Kamera, vorstellte. In nahezu allen photographischen Bereichen – Landschaft und Genre, Porträt und Selbstporträt, Mode und Akt – und überall auf der Welt fand die ungewöhnliche Bildtechnik begeisterte Anwender.















Foto Helmut Newton: Stern, St. Tropez 1978Aufschlussreich sind Newtons handschriftliche Ergänzungen an den Bildrändern der Polaroids: Kommentare zum jeweiligen Modell, Auftraggeber oder Aufnahmeort. Diese Anmerkungen, die Unschärfen und Gebrauchsspuren finden sich auch auf den Vergrößerungen der Polaroids innerhalb der Ausstellung; sie zeugen von einem pragmatischen Umgang mit den ursprünglichen Arbeitsmaterialien, die inzwischen jedoch einen eigenen, geradezu autonomen Wert besitzen. Insbesondere die eigene, unvergleichliche Ästhetik der Polaroids, die die Farbigkeit und die Kontraste des photographierten Gegenstandes geradezu unvorhersehbar verändert, macht die experimentelle Technik auch für den heutigen Betrachterblick interessant.





Insofern kommt die Ausstellung einem Blick ins Skizzenbuch eines der einflussreichsten Photographen des 20. Jahrhunderts gleich. Viele der ikonischen Aufnahmen, die bereits zuvor in den Ausstellungsräumen der Helmut Newton Stiftung gezeigt wurden, werden durch die jetzige Ausstellung in ihrer Entstehung präsent.






Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im TASCHEN Verlag.


Ausstellung:
Helmut Newton Polaroids
10. Juni - 20. November 2011

Helmut Newton Stiftung
Jebensstraße 2
10623 Berlin

Öffnungszeiten: Di - So 10 - 18 Uhr; Do 10 - 22 Uhr